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Lebenszeichen (Kolumne Fuldaer Zeitung – Februar 2026)

Lebenszeichen: Warum Narben unsere Hautgeschichten erzählen
Narben erzählen unsere Lebensgeschichte. Dermatologin Daniela Uribe Holmgren erklärt, warum sie Lebenszeichen sind – und wie man sie dermatologisch behandeln kann.

Wer meine Kolumne verfolgt, weiß, dass ich die menschliche Haut feiere: Sie ist unser größtes Organ, Schutzhülle und Spiegel unseres Lebens. Wenn ein Mensch zum Screening vor mir steht, kann er eigentlich nichts verbergen. Ich sehe ihn oder sie, so wie das Leben mit ihnen umgegangen ist. Nicht nur das Gesicht zeigt Spuren, sondern der ganze Körper. Heute geht es dabei gar nicht um die Zeichen der Alterung, mit denen wir uns oft auseinandersetzen und nicht selten genug auch hadern. Heute geht es um Narben, und ich will Ihnen erklären, warum diese Kolumne „Lebenszeichen“ heißt.

Jeder, ausnahmslos jeder Mensch, der zu mir in die Praxis kommt und kein Kind mehr ist, trägt eine oder mehrere Narben mit sich herum. Manche davon sind gut sichtbar so wie Akne-Narben, die ihre Menschen oft sehr beschäftigen. Schließlich ist das Gesicht stets der erste und unbekleidete Eindruck, den man auf sein Gegenüber und im Spiegel auch auf sich selbst macht.

Doch es gibt viele andere Narben, die Zeugnis davon ablegen, was den Menschen im Leben widerfahren ist: Ich sehe Narben, die von Operationen stammen, beispielsweise nach einem Sport- oder Autounfall, wenn der Fuß oder das Knie operiert werden musste. Ich sehe große Narben, die nach einer Brustamputation auf dem Körper liegen und mit denen sich Frauen auch emotional intensiv auseinandersetzen müssen. Es gibt kleinere Narben, die eine dramatische Geschichte haben, beispielsweise die Entfernung eines bösartigen Karzinoms oder die Notwendigkeit eines Venenports. Ganz gleich, was die Ursache ist, und wie sehr sie uns stören oder an schlechte Zeiten erinnern: Am Ende haben sie uns das Leben gerettet. Das sollten wir nicht vergessen. Durch den beherzten Schnitt eines Arztes in unser Gewebe konnte ein Tumor entfernt werden. Durch einen Port konnten die nötigen Medikamente fließen. Durch die Knochen-OP konnte alles wieder gut zusammenheilen. Ohne unsere Narben gäbe es uns vielleicht schon nicht mehr. Daher sind sie für mich Lebenszeichen.

Ganz besonders haben sie diesen Namen verdient, wenn es sich um Kaiserschnittnarben handelt. Sie sind groß, für vielen Frauen ihr Leben lang nicht nur sichtbar, sondern auch spürbar, doch sie haben Leben geschenkt. Gerade wenn es medizinisch indizierte Sektionen waren, hätte ohne diesen Eingriff ein großes Risiko für Mutter, Kind oder beide bestanden.

Und dann gibt es noch diese vielen kleinen, relativ undramatischen Narben, die wir in unserem Leben sammeln: Wenn man sich als Kind in eine Scherbe gekniet hat und die neue Strumpfhose gleich mit kaputt ging. Wenn man sich in einem Moment der Unachtsamkeit die halbe Fingerkuppe mit der Brotschneidmaschine abschnippelt. Oder wenn man sich in einer Nacht- und Nebelaktion von seinem Blinddarm verabschieden musste. Viele Narben sind Ausgangspunkt von Anekdoten, Zeichen gelebten und geschenkten Lebens.

Ich will die Existenz von Narben hier nicht verklären. Viele von uns können sie auch an Dinge erinnern, die schmerzhaft sind und es auch bleiben. Gerade, wenn es sich dabei um Verletzungen handelt, wie wir selbst oder andere uns zugefügt haben. Doch selbst diese Narben sind ja Teil von uns, Lebenszeichen wie die anderen. Nicht zuletzt schmücken Narben in vielen Kulturen die Menschen – das geht vom Studentenschmiss in unseren Breiten bis hin zu Zier- und Schmucknarben als festen Bestandteil tribaler Körperkunst, gerade bei vielen indigenen Kulturen.

Das soll nicht heißen, dass man seine Narben ab sofort wie eine Trophäe vor sich hertragen soll, wenn sie einem nicht gefallen oder mehr noch, wenn sie einen belasten. Dann sollte man mit seinen Lebenszeichen zum Dermatologen oder zur Dermatologin seiner Wahl gehen und gemeinsam besprechen, was zu tun ist. Denn es gibt eine Menge.

Fangen wir bei Akne an: Wenn man sie frühzeitig gut und in Absprache mit einer Fachärztin behandelt, kann Narbenbildung vermieden werden. Später kann man durch verschiedene Behandlungen in einer dermatologischen Praxis, beispielsweise bestimmten Peelings oder Laser, die Sichtbarkeit der Narben reduzieren. Frische Narben, beispielsweise nach einem Schnitt oder auch einer Operation, kann man durch Massieren mit einer Creme weichhalten und somit der Bildung von Wucherungen (hypertrophen oder keloiden Narben) vorbeugen. Auch eine solche bereits bestehende Narbe kann man in ihrem Aussehen verbessern.

Das sage ich bewusst, denn es ist nicht möglich, Narben komplett zu entfernen. Vergessen wir nicht, sie sind eine natürliche Reparaturreaktion des Körpers, wenn tiefere Hautschichten (Dermis) verletzt werden. Sie helfen uns heilen.

Mein Rat an alle, die nun all ihre Narben, ihre Lebenszeichen, vor ihrem geistigen Auge haben oder sie sich anschauen, lautet: Freunden Sie sich mit ihnen an. Geben Sie ihnen die nötige Pflege und verinnerlichen Sie sich, dass Narben uns Geschichten erzählen – bestensfalls solche, die am Ende gutausgegangen sind.

Ihre

Daniela Uribe Holmgren

Dermatologin mit eigener Praxis in Fuldas Innenstadt Infos zu den Angeboten der Hautarztpraxis Uribe Holmgren finden Sie unter www.hautarzt-uribe-holmgren.de/ sowie auf Instagram, TikTok und Facebook unter skinhauturibeholmgren.

Tags :
Ästhetik und Kosmetik,Dermatologie

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