Darüber können wir reden!
Als Dermatologin bin ich ja in der Regel für alles zuständig, was man so sieht: Pickel, Falten, Pusteln. Aber unsere Facharztausbildung umfasst auch einen Bereich, der am Körper meist verhüllt bleibt: den Intimbereich. Wir sind also alle Fachärzte für Haut- und Geschlechtskrankheiten. Und das ist gut so, denn die Haut im Intimbereich ist wirklich besonders: Sie ist nämlich nicht nur – wie wir hoffentlich alle wissen – eine hochempfindsame erogene Zone, die durch eine hohe Dichte an Nervenenden intensiv auf Berührungen reagiert. Nein, gleichzeitig fungiert sie als Barriere für Krankheitserreger und Schadstoffe. Dabei hat sie es nicht leicht: Sie kommt kaum mal an die frische Luft und muss sich tagtäglich mit Faktoren wie Feuchtigkeit, Reibung und Hygiene auseinandersetzen.
Umso mehr hat diese Haut unsere Aufmerksamkeit verdient, insbesondere dann, wenn sie mal Alarm schlägt. Vielen Menschen ist das, was „untenrum“ so passiert, peinlich. Sie zögern bei Beschwerden einen Arztbesuch oft hinaus – nicht selten, weil sie denken, man könne ihnen mangelnde Hygiene unterstellen oder verurteile sie, weil verschiedene Infektionen sexuell übertragbar sind. Doch ich kann alle beruhigen: Erstens ist uns Fachärzten so gut wie nichts fremd, zweitens verurteilen wir nicht und drittens bleibt alles bei uns. Wir unterliegen ja der Schweigepflicht, wie ich an diese Stelle einmal mehr betonen möchte. Vertrauen ist wichtig!
Die meisten Infektionen im Intimbereich haben genau die gleichen Ursachen wie die an anderen Körperstellen: Pilzinfektionen, bakterielle Reizungen, allergische Reaktionen, ein geschwächtes Immunsystem, hormonelle Veränderungen oder sogar Stress. Auch Reibung durch Kleidung kann die Haut in diesem sensiblen Bereich überstrapazieren. Das vorhandene Klima – Feuchtigkeit und Wärme – begünstigt häufig das Wachstum von Krankheitserregern. Und nicht zuletzt kann auch übertriebene Intimhygiene dieses Klima empfindlich stören, indem die schützende Barriere der Haut geschädigt wird.
Lassen Sie uns einen Blick auf die Haut im Intimbereich werfen, um zu verstehen, was sie so besonders macht:
- Dünne Hornschicht: Die schützende äußere Hornschicht ist noch dünner als die des Gesichts und kann daher leicht geschädigt werden.
- Fettproduktion: Talgdrüsen sondern ständig Fett ab, um die Haut geschmeidig zu halten und vor Austrocknung zu schützen.
- Pigmentierung: Die Haut im Intimbereich ist oft dunkler als an anderen Körperstellen, da hier mehr Melanin produziert wird.
- Schleimhaut: Während die äußere Haut der Vulva mit Haut bedeckt ist, sind die inneren Bereiche, wie der Scheidenvorhof, mit Schleimhaut ausgekleidet.
- Empfindliche Oberfläche: Die Haut ist stark durchblutet, was sie anfällig für Irritationen wie Rötungen, Juckreiz und Trockenheit macht.
Umso wichtiger ist es, mit Veränderungen und Auffälligkeiten, mit Juckreiz und Schmerzen nicht zu zögern, sondern einen Arzt, am besten einen Facharzt, aufzusuchen. Zum einen, weil es nicht schön ist, sich im Genitalbereich unwohl zu fühlen, zum anderen, weil eine solche Infektion in der Regel nicht von allein verschwindet.
Was ich an dieser Stelle betonten möchte: Es gibt keinen Grund, sich hier für irgendetwas zu schämen! Auch nicht, wenn keine Alltagsinfektion zu den Beschwerden führt, sondern wenn es sich tatsächlich um eine sexuell übertragbare Infektion handelt. Gerade dann sollte man der Sache nachgehen, um keine weiteren Sexualpartner zu gefährden. Außerdem bietet ein Besuch in der Facharztpraxis die Möglichkeit, die unliebsamen Symptome samt Erreger meist schnell wieder loszuwerden – egal, woher sie kommen.
Mein Apell lautet: Darüber können wir reden! Für uns Dermatologen ist Haut Haut – auch im Intimbereich. So einfach ist das und daher sollte dieses Thema kein Tabu mehr sein.
Ihre
Daniela Uribe Holmgren
Dermatologin mit eigener Praxis in Fuldas Innenstadt
