Unschön, doch meist harmlos: Warzen kommen und gehen
Wenn Menschen mit Warzen in meine Praxis kommen, herrscht viel Unsicherheit: Woher kommen die kleinen Dinger, die oft als sehr störend und auch als hässlich empfunden werden? Sind sie ansteckend? Wie verschwinden sie wieder? Und was kann man tun, damit man nicht wieder welche bekommt?
Schaut man sich die Warze in der öffentlichen Wahrnehmung an, hat sie einen schlechten Ruf: Böse Hexen haben viele davon im Gesicht und auf den Händen, eklige Kröten scheinen davon übersät – kurz: Warzen sind nichts, was man haben will oder schönreden kann. Obwohl die meisten von ihnen ungefährlich sind.
Was also sind Warzen überhaupt?
Warzen sind Hautwucherungen, die durch eine Infektion mit dem humanen Papillomavirus (HPV) entstehen. Diese Beulen sind in der Regel klein, fühlen sich rau an und können überall am Körper auftreten, obwohl sie am häufigsten an Händen, Füßen und im Gesicht vorkommen. Verursacht werden sie durch Viren, und fast jeder Mensch bekommt irgendwann in seinem Leben mal eine oder mehrere davon. Die meisten Warzen sind harmlos und verschwinden innerhalb von Wochen oder Monaten von selbst. Sie können jedoch lästig sein, unansehnlich und dadurch manchmal auch psychisch belastend. Am häufigsten treten die normalen Warzen bei Kindern und Jugendlichen auf. Apropos „normal“:
Es gibt in der Tat viele verschiedene Warzen, die unterschiedliche Wirkungen haben und die daher auch unterschiedlich behandelt werden müssen. Betrachten wir zunächst die ganz gewöhnliche Warze, die gerne an der Fußsohle oder an den Händen auftritt. Sie ist stecknadelkopf- bis erbsengroß und in erster Linie optisch störend. Gerade an den Fußsohlen jedoch können Warzen durch den ständigen Druck schmerzhaft werden. Es können sich hier Dornwarzen bilden, die nach innen wachsen und relativ groß werden können. Flachwarzen hingegen sind kleine, nur leicht erhöhte Warzen mit einem Durchmesser von oft nur wenigen Millimetern. Da sie vor allem im Gesicht auftreten, werden sie ebenfalls als sehr störend empfunden. Des Weiteren sehen wir Mosaikwarzen (weiß, klein, oft an den Fußsohlen, aber wenig störend), Pinselwarzen (oft im Gesicht, mit fransigem Erscheinungsbild und daher sehr störend), Alterswarzen (ja, genau die, die man im Alter bekommt) und Feigwarzen.
Die letztgenannten nehmen eine Sonderstellung ein, denn sie befallen nur den Genitalbereich, sind sexuell übertragbar und erfordern eine besondere Behandlung.
Womit wir beim Thema wären: Wie behandeln wir Warzen am besten?
Dazu fragen wir uns zunächst jedoch: Was ist die Ursache dafür, dass wir überhaupt Warzen bekommen? Da es sich um virale Infektionen handelt, werden Warzen durch direkten Hautkontakt oder durch kontaminierte Gegenstände wie Handtücher oder gemeinsam benutzte Oberflächen übertragen. Es kann sie also jede und jeder bekommen, und doch gibt es Menschen mit einem höheren Risiko, dazu gehören:
- Kinder und Jugendliche, die oft Gemeinschaftsduschen benutzen, etwa beim Sport oder im Schwimmbad.
- Schulkinder, in deren Klasse viele Kinder Warzen haben.
- Menschen mit Familienangehörigen, die Warzen haben.
- Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, vor allem Erwachsene und Kinder nach einer Organtransplantation oder mit einer schweren Erkrankung wie Krebs oder AIDS.
In der Regel kann das körpereigene Immunsystem die Infektion bekämpfen. Schwerer betroffen sind daher Menschen, deren Immunsystem nicht adäquat reagiert.
Einen besonderen Blick wollen wir auf die Feigwarzen richten, die von HP-Viren verursacht werden. Diese können – neben den harmlosen Warzen – verschiedene Krebserkrankungen hervorrufen wie Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom), Analkrebs, Krebs im Mund- und Rachenbereich, Peniskrebs, Vulva- und Vaginalkrebs. Hierfür sind Hochrisiko-HPV-Typen verantwortlich und genau gegen diese schützt eine Impfung! Gut zu wissen, oder? So einfach kann es sein, sich gegen die gefährlichsten HPV-Typen zu schützen. Und da diese Viren durch Ansteckung übertragen werden, sollte man sich am besten schon als Jugendliche oder Jugendlicher impfen lassen. Auch Männer, denn wie wir sehen, kann man eben nicht nur Gebärmutterhalskrebs bekommen, sondern auch andere Erkrankungen. Außerdem sind Männer wie Frauen Überträger. Mit einer Impfung übernimmt man daher auch Verantwortung für die Gesundheit des Partners oder der Partnerin.
Die Behandlung einer Warze – ob aus medizinischen oder optischen Gründen – sollte man daher stets mit einem Facharzt oder einer Fachärztin abklären. Wir warnen dringend davor, selbst Maßnahmen zu ergreifen, da Mittel, die beispielsweise als Pflaster oder Tinktur die Warze auflösen sollen, bei gesunder Haut große Schäden anrichten können. Außerdem können sich unter allen Warzen – selbst den vermeintlich harmlosen – Karzinome verbergen: In meiner Praxis sehe ich jährlich einige Falle davon. Umso wichtiger ist es, das Warzengewebe histologisch zu untersuchen.
Wir Dermatologen schauen uns die Warzen genau an, klassifizieren sie und besprechen mit Ihnen mögliche Therapien. Dies können medikamentöse Behandlungen, Kryochirurgie (ein minimalinvasives Verfahren mit extremer Kälte), eine chirurgische Entfernung oder eine Laserbehandlung. Im Falle von Feigwarzen stimmen wir uns ebenfalls genau ab – und es wichtig, die Sexualpartner mit in die Behandlung einzubeziehen.
Übrigens: Besprechen oder Eigenurin bei Vollmond hilft auch nicht – es sei denn, man ist die böse Hexe vom Textanfang. Dann vielleicht. Ansonsten stehen wir Dermatologen gerne zur Verfügung.
Ihre
Daniela Uribe Holmgren Dermatologin mit eigener Praxis in Fuldas Innenstadt
