Gene sind nicht alles – entscheidend ist, was wir daraus machen
„Ich habe einfach gute Gene“ – das höre ich in meiner Praxis immer wieder. Weniger Falten, kaum graue Haare: Danke, Mama. Und ja, Gene spielen eine Rolle, beim Charakter, beim Gewicht, bei der Hautalterung. Aber sie sind nicht so mächtig, wie wir glauben – weder im Guten noch im Schlechten.
Denn neben unserer genetischen Ausstattung gibt es einen zweiten, oft unterschätzten Faktor: die Epigenetik. Sie beschreibt die Wirkung von Umwelt- und anderen äußeren Einflüssen auf unsere Haut. Denn diese wirken auf unsere Gene und beeinflussen, wie unsere Dispositionen gelesen und aktiviert werden. UV-Strahlung, Stress, Schlaf, Ernährung, Umweltbelastungen, Rauchen: All das steuert, wie unsere Haut altert. Oder anders gesagt: Unser Lebensstil schreibt täglich mit an unserem Hautbild. Und genau hier wird es spannend – denn darauf haben wir Einfluss.
Die Folgen der äußeren Faktoren sehen wir in der Praxis deutlich. Stress treibt den Cortisolspiegel nach oben – und verschärft Hautprobleme wie Akne oder Rosazea. Zuckerreiche, stark verarbeitete Ernährung fördert Entzündungen und stört die Regeneration. Schlafmangel bremst die nächtlichen Reparaturprozesse. Und UV-Strahlung bleibt ohnehin der größte Beschleuniger der Hautalterung. Die Haut altert also nicht nur mit der Zeit, sondern auch durch das Leben, das wir führen. UV-Schäden, oxidativer Stress, Entzündungen und eine nachlassende Kollagenproduktion sind keine reine Frage des Alters – sondern auch der Gewohnheiten. Das Hautbild zweier 50-Jähriger kann biologisch Welten auseinanderliegen – wir Dermatologen unterscheiden daher zwischen dem chronologischen und dem biologischen Alter der Haut. Für Sie bedeutet das: Jede Entscheidung hinterlässt Spuren in Ihrer Haut – gute wie schlechte.
Das bedeutet auch: Wir haben Einfluss und sind weder den Genen noch den Umweltfaktoren hilflos ausgeliefert. Unser Lebensstil und unsere Gewohnheiten aktivieren oder hemmen unsere genetischen Gegebenheiten: Prävention liegt in unseren Händen, denn die Epigenetik beeinflusst, ob bestimmte Gene an- oder abgeschaltet werden.
Es ist nämlich das Zusammenspiel aus Genetik und Epigenetik, das unser Erscheinungsbild prägt. In der Dermatologie nutzen wir diese Erkenntnis nicht nur, um Schäden der Haut zu korrigieren, sondern wir können aktiv natürliche Reparaturmechanismen anstoßen: Körpereigene Regenerationsprozesse können stimuliert werden, es gibt kollagenstimulierende Verfahren und verschieden Anwendungen in der regenerativen Medizin, wie eine Eigenblutbehandlung. Wichtig ist, dass Menschen, die an einer Verbesserung ihres Hautbildes arbeiten wollen, ein individuelles, auf ihre Haut – sowohl unter genetischen als auch epigenetischen Aspekten – abgestimmtes Behandlungskonzept angeboten wird. Dieses kann sowohl verschieden medizinische und ästhetische Maßnahmen beinhalten, muss aber einen deutlichen präventiven Ansatz haben: Sonnenschutz, topische Antioxidantien, also Cremes, Seren oder Lotionen, die – äußerlich auf die Haut aufgetragen – als Schutzschild gegen umweltbedingte Hautalterung durch UV-Strahlung, Luftverschmutzung oder Stress fungieren, gesunder Lebensstil, Stressmanagement.
Schon jetzt können wir viel tun – und es wird noch besser:
Mit Hilfe der Epigenetik wird die Dermatologie der Zukunft immer individueller. Unsere Gene geben zwar die Grundlage vor, aber Umweltfaktoren und Lebensstil entscheiden, wie sie „gelesen“ werden. Forscherinnen können mittlerweile sogar das biologische Hautalter messen. So lassen sich Therapien gezielter anpassen, und Prävention kann direkt auf molekularer Ebene stattfinden.
Als Wissenschaftlerin blicke ich gespannt auf diese Aussichten: Die Zukunft der Dermatologie liegt in der Verbindung von Molekularbiologie, Prävention und individualisierter Therapie.
Eine Entwicklung, auf die wir uns freuen können.
Ihre
Daniela Uribe Holmgren Dermatologin mit eigener Praxis in Fuldas Innenstadt
